LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt
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Die Geschichte des Zentrums

Die Wurzeln des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt reichen zurück bis in das Jahr 1883. Fast 100 Jahre nachdem der damalige Provinzialheilverband das Rittergut Eickelborn erworben hatte, um dort eine „Irrensiechenanstalt" für evangelische und katholische Kranke zu errichten, wurde im Jahr 1984 das Westfälische Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt als eigenständige Einrichtung gegründet. Die erste Leitende Ärztin einer forensischen Klinik bundesweit war Dr. Vera Schumann, erster Leiter des Pflegedienstes wurde Wolfgang Trampe. Bereits ein Jahr später wurde ein Beirat gegründet.

Die Entwicklung und spätere Binnendifferenzierung basiert auf dem „Gutachten zur Situation und zu Entwicklungsmöglichkeiten in der Durchführung des Maßregelvollzuges" von Prof. Dr. Wilfried Rasch (Institut für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin). Rasch regte damals u.a. an, Behandlungsschwerpunkte einzuführen, Therapie zu intensivieren und zusätzliches therapeutisches Personal einzustellen. Gleichzeitig sprach er sich für teambezogene Fortbildungen sowie für die ambulante Nachsorge entlassener Patienten aus.

In den ersten 15 Jahren der Eigenständigkeit gab es umfangreiche bauliche Renovierungen, die teils Voraussetzung für Umstrukturierungen der Stationen waren. 1989 zog die erste Wohngruppe in das umgebaute Haus 30 ein. Eigenständige Abteilungen wurden 1998 gebildet: Abteilung I (Aufnahme und Diagnostik), Abteilung II (Klinische Psychiatrie), Abteilung III (Behandlung von persönlichkeitsgestörten Menschen), Abteilung IV (Behandlung von intelligenz-geminderten Patienten). Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten des heutigen Sicherheitszauns.

Es folgte die Einrichtung des Gutachten- und Fortbildungsinstituts. 2002 wurde die Abteilung für Sucht- und Drogenkranke in Eickelborn geschlossen. Mit der Inbetriebnahme der Zentralen Pforte 2004 wurde die Sicherheitszaunanlage komplett geschlossen. Gleichzeitig schreitet die Binnendifferenzierung voran: Eine IBT-Station und zwei Longstay-Stationen entstehen 2005. Zwei Jahre später wird erstmals eine IBT-Frauenstation im Zentrum eröffnet. Bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelten und implementierten Mitarbeiter der Abteilung IV ein spezielles Behandlungsprogramm für intelligenz-geminderte Patienten. Die Abteilung IV wurde am 03.06.2011 mit Eröffnung der Alexianer Christophorus Klinik in Münster-Amelsbüren geschlossen. Um die Jahrtausendwende wurde die Körperintegrative Therapie eingeführt.

Zur gleichen Zeit wurde die sog. „prognoseberatende Fachgruppe"(PROFA) im Zentrum ins Leben gerufen. Dieses Gremium wurde eingerichtet, um die Prognosesicherheit zu verbessern. Sie war interdisziplinär besetzt und setzte sich aus einem Psychiater, einem Psychologen und einem Mitarbeiter der Pflegedienstleitung zusammen. Die Mitglieder der PROFA waren nicht mit der Behandlung des Patienten/der Patientin befasst und befanden sich in keiner Entscheidungsverantwortung bezüglich der Lockerungen. Im Jahr 2004 wurde dieses Prüfverfahren geändert. Heute entscheidet eine zentrale Lockerungskonferenz über die Anträge einer Lockerung.

Im Dezember 2007 wurde ein Kulturzentrum für Patienten in der geschlossenen Zaunanlage eröffnet. Dort bewirtschaften Patienten ein Café, es gibt einen Probenraum für die Musikband, eine Leihbibliothek und einen Multifunktionsraum für Aufführungen diverser Art. Im gleichen Jahr konstituierte sich der Patientenrat, der eine Brückenfunktion zwischen Institution und Behandlern sowie den Patienten übernimmt.

Die Eickelborner Sonderregelung des 1:1 Ausganges gilt seit 1994 bis heute.

2007 kam es zu einer Namensänderung: Das ehemalige Westfälische Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt führt nun die Bezeichnung „LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt". Im Rahmen der regionalen Dezentralisierung der Forensischen Psychiatrie wird das LWL-ZFP Mitte 2011 rund 260 Patienten behandeln. Diese Verkleinerung der Klinik wurde möglich durch die Neueröffnung zweier forensischen Kliniken in Herne (LWL-Maßregelvollzugsklinik Herne) und in Münster Amelsbüren.

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